Das verletzte Herz

Es war einmal ein braves Herz. Es hatte eine schöne Kindheit.

Es gab aber auch Zeiten, da fühlte es sich nicht so wohl - wenn dunkle Wolken aufzogen. Dann fing es an, unruhig zu werden. Manchmal versuchte es auch zu fliehen. So wuchs es zu einem starkes Herzen ran, das auch schwer und ausdauernd arbeiten konnte. Lange Strecken überwand es mühelos. Es war aber auch froh, wenn es dann wieder zur Ruhe kam.

 

Es hätte ganz gut so leben können, wenn sich nicht die Welt so in Nebel gehüllt hätte. Wolken jagten einander. Ungesunde Nebelschwaden waberten durch die Luft. Das Herz wurde unruhig und wurde von den Wolken gehetzt.

 

Es gab aber auch Lichtblicke. Es konnte sein Leid und Freude mit einem anderen Herzen teilen. So konnten beide die Strapazen besser ertragen. Aber immer wieder kamen die Wolken. Immer wieder legten sich die giftigen Schwaden auf unser geplagtes Herz. Das andere Herz kümmerte sich dann auch nicht mehr so richtig, bis es eines Tages dann ganz in die Fremde ging. Jetzt war das Herz wieder allein. Es stürzte sich in Arbeit, beachtete die Wolken nicht mehr und atmete die schlechte Luft. Nur, es blieb nicht ohne Folgen, die Beine wurden schwach und gebrechlich.

 

Als eines Tages ein großes Unwetter aufzog, wollte das arme Herz sich in Sicherheit bringen und lief wie der Teufel. Aber die Beine waren schon müde. Gewaltige Wolkenmassen zogen schnell heran. Das Herz lief und lief. Es konnte dem Unheil nicht entrinnen. Die Luft bekam einen schwefligen Beigeschmack. Das kleine Herz gab alles. Der erste Tropfen- Regen- Gewitterguss. Ein Blitz schlug in nahen Baum ein. Durch den Schreck versagten dem armen Herzen die Beine. Beim Sturz brach es sich den Knöchel. Die Angst kam unbarmherzig über das am Boden liegende Herz. Das war zu viel...

 

Es erwachte, nachdem das Gewitter sich verzogen hatte. Aufgeweicht, entkräftet rappelte es sich wieder auf. Es war, als hatte der Platzregen die Welt rein gewaschen. Die Luft war sauber. Durchatmen! Humpelnd, langsam wieder zum Leben erwachen! Die Sonne kam hervor und entfaltete ihre ganze Kraft.

 

Zunehmend interessierten sich auch andere Herzen für das Schicksal des nun geschwächten Herzen. Es bekam Genesungswünsche und jede Menge Zuspruch.

 

Tapfer geht es jetzt seiner Arbeit wieder nach. Wissend, dass es nie wieder so laufen kann wie früher, lebt es heute wieder friedlicher und seinem Schicksal ergeben. Nur der Fuß macht hin und wieder noch zu schaffen.

 

Und es träumt von einem lieben Herzen, auf das es sich stützen kann und mit dem es den Sonnenuntergang genießen kann.